Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Eltern und Erziehungsberechtigte,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Freundinnen und Freunde unserer Schule,
mit dem Beginn des Schuljahres 2026/27 schlagen wir ein neues Kapitel in der langen Geschichte unserer Schule auf. Seit ihrer Gründung im Jahr 1882 hat sie Generationen junger Menschen auf ihrem Weg begleitet und geprägt. Vieles, was unsere Schule ausmacht, ist in dieser Zeit gewachsen: das gemeinsame Lernen, das Engagement der Schulgemeinschaft, die Freude an Musik, Kunst und Wissenschaft, die Offenheit für Neues und das Vertrauen in die Kraft von Bildung.
Aus dem Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium wird das Felix-Hausdorff-Gymnasium Bonn.
Die Geschichte unserer Schule gehört untrennbar zu uns. Dazu gehört auch, dass wir uns mit ihrem bisherigen Namen auseinandersetzen. Ernst Moritz Arndt (1769-1860) war eine prägende historische Persönlichkeit seiner Zeit. Er hatte einerseits eine prägende Rolle in der deutschen Einheits- und Freiheitsbewegung des frühen 19. Jahrhunderts und war ein bedeutender Publizist und Dichter, der politische Bildung und gesellschaftliche Teilhabe fördern wollte. Seine antisemitischen und völkisch-nationalistischen Positionen sowie die Umbenennung unserer Schule von „Städtisches Gymnasium und Realgymnasium“ zu Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium im Jahr 1938 machen ihn jedoch aus heutiger Sicht nicht zu einem Namenspatron, der das Selbstverständnis einer demokratischen, weltoffenen und vielfältigen Schule für die Zukunft tragen kann.
Für viele Generationen von Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrkräften und Ehemaligen ist mit dem Namen „EMA“ weit mehr verbunden als eine Schulbezeichnung. Er steht für Freundschaften, gemeinsames Lernen, Konzerte, Klassenfahrten, Wettbewerbe, Abiturfeiern und prägende Jahre des eigenen Lebens. Diese Verbundenheit ist Teil der Geschichte unserer Schule – und sie bleibt es.
Gerade weil wir unsere Geschichte ernst nehmen, möchten wir sie unter einem Namen weiterführen, der das Selbstverständnis unserer Schule heute und in Zukunft sichtbar macht.
Vor diesem Hintergrund verbindet sich unsere gewachsene Identität künftig mit einer Persönlichkeit, deren Leben und Werk die Werte widerspiegeln, für die wir heute und morgen stehen möchten.
Felix Hausdorff (1868–1942) war einer der bedeutendsten Mathematiker des 20. Jahrhunderts.
Als Professor an der Universität Bonn prägte er mit seinen grundlegenden Arbeiten zur Topologie, der Lehre von Räumen, Beziehungen und Strukturen, die moderne Mathematik bis heute. Zugleich war er Philosoph, Essayist und Schriftsteller. Unter dem Pseudonym Paul Mongré veröffentlichte er literarische und philosophische Texte und verband wissenschaftliche Präzision mit künstlerischer Kreativität. Als Sohn eines jüdischen Kaufmanns wurde er während der nationalsozialistischen Diktatur aufgrund seiner jüdischen Herkunft entrechtet und verfolgt. Sein Leben endete 1942 unter dem Druck dieser Verfolgung. Sein wissenschaftliches Werk, sein literarisches Schaffen und seine humanistische Haltung wirken bis heute weit über Bonn hinaus.
Gerade diese außergewöhnliche Verbindung von Wissenschaft, Kunst und Humanität macht Felix Hausdorff zu einem Namenspatron, der unsere Schule in besonderer Weise repräsentiert.
„Bildung entsteht dort, wo
Menschen, Ideen und Wissen
miteinander verbunden werden.“
Auch wir verstehen unter Bildung weit mehr als die Vermittlung von Wissen. Sie lebt von der Begegnung unterschiedlicher Perspektiven, dort, wo mathematisch-naturwissenschaftliches Denken auf musisch-künstlerische Kreativität trifft, wo Neugier, Verantwortung, demokratisches Handeln und gegenseitiger Respekt den Schulalltag prägen.
Dem neuen Namen ging ein intensiver und offener Namensgebungsprozess voraus, in dem viele Stimmen unserer Schulgemeinschaft gehört wurden. Diese Entscheidung verstehen wir nicht als Abschluss, sondern als Einladung. Der Name Felix Hausdorff wird seine Bedeutung erst durch die Menschen entfalten, die an unserer Schule lernen, lehren und leben.
Wir bleiben das Gymnasium, das viele seit Jahren kennen und schätzen: mit seinem profilierten MINT-Schwerpunkt, seinem vielfältigen musisch-kulturellen Leben, dem Gemeinsamen Lernen, internationaler Offenheit und einer starken Schulgemeinschaft.
Gleichzeitig eröffnen sich neue Möglichkeiten. So wie unser historisches Schulgebäude erhalten bleibt und durch moderne Lern- und Begegnungsräume ergänzt wird, entwickelt sich auch unsere Schule weiter – auf dem Fundament ihrer Geschichte und mit dem Blick auf die Herausforderungen der Zukunft.
Wir möchten ein Ort sein, an dem Menschen ihre Talente entdecken, Verantwortung übernehmen und lernen, über Grenzen von Fächern und Denkweisen hinauszudenken. Ein Ort, an dem Wissenschaft und Kreativität, Sorgfalt und Offenheit, Individualität und Gemeinschaft selbstverständlich zusammengehören.
Mit dem Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium schreiben wir die Geschichte unserer Schule weiter – auf dem Fundament dessen, was uns verbindet, und mit Zuversicht für das, was vor uns liegt.
Ich wünsche mir, dass wir diesen neuen Namen gemeinsam mit Leben füllen, durch Neugier, Verantwortung, Offenheit und die Freude am gemeinsamen Lernen.
Willkommen in einer Schule, die ihre Geschichte bewahrt und zugleich den Mut hat,
ihre Zukunft bewusst zu gestalten.
Ich freue mich darauf, gemeinsam mit Ihnen und euch dieses neue Kapitel unserer Schule zu gestalten.
Mit herzlichen Grüßen
Simone Bröcker, OStD‘
Schulleiterin des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums Bonn