SoWi

  • Haben Sie etwas von der Klimakonferenz in Bonn mitbekommen? Oder besser gefragt, ist Ihnen die Zeltstadt in der Rheinaue aufgefallen? Manchal hat man den Eindruck, als sei die Conference of Parties (kurz COP) ein kleines Mysterium für sich gewesen.

    Abseits von der Bonner Innenstadt trafen sich zum 23sten Mal (COP23) 20.000 Politiker und Teilnehmer aller Nationalitäten zur Klimakonferenz in der UN-Stadt Bonn. Mein Mitschüler Finn Rübo und ich wurden im Anschluss an die unmittelbar nach den Herbstferien am EMA statt gefundenen findenden Climate Talks, die vom Bundesministerium für Umwelt organisiert worden waren, Teil dieses Geschehens sein. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion wurden wir als jugendliche deutsche Vertreter als Diskutierende eingeladen.

    Am Montag den 13.11 war es dann soweit: Um 15 Uhr auf dem riesigen Gelände der Rheinaue angekommen, musste erstmal unsere Akkreditierung bestätigt werden, so dass wir in die Zeltstadt, die sogenannte Climate Action Zone, gehen durften. Der erste Eindruck war gewaltig: 20.000 Menschen die von A nach B rannten, um bloß keine Konferenzen, Meetings, Talks oder Interviews zu verpassen. Ein Blick genügte und man sah die einzelnen Pavillons der Länder – mein Ziel war der deutsche Pavillon.
    Herr Dr. Itten vom Umweltministerium wartete bereits auf uns und stellte uns die übrigen Teilnehmer der Podiumsdiskussion vor: Die Moderatorin, eine Jugenddelegierte und ein für uns bereits bekanntes Gesicht: Mary Awad, Vertreterin vom Libanesischen Umweltministerium und Teilnehmerin am Climate Talk in unserem Englisch LK. Kurz danach wurden wir auch schon auf die kleine Bühne gebeten die im Pavillon aufgebaut war.

    Die Moderatorin begann mit einigen einleitenden Worten und kurz darauf kamen auch die deutsche Bundesumweltministerin, Barbara Hendricks, sowie die Präsidentin der Marshall Inseln, Hilda Heine, hinzu. Die Marshall-Inseln sind vom Klimawandel bereits stark betroffen und leiden jetzt schon unter dessen Folgen. Nach einigem Hin und Her kamen auch Finn und ich kurz zu Wort und stellten Fragen, die uns schon länger beschäftigt hatten. Es ging um das in Paris unterzeichnete Abkommen zu den umweltpolitischen Zielen für 2030. Dass diese nun doch nicht eingehalten werden können schien uns beiden ein sehr bekanntes Problem aus dem politischen Alltag zu sein. Auf diesen Einwand reagierte die Umweltministerin, Renate Hendricks, sehr freundlich, redete aber im Anschluss aus unserer Sicht doch geschickt am Thema vorbei. Wir fragten dann nach, warum denn in Schulen Umweltpolitik kein Thema sei; die Antwort von unserer Ministerin war wieder kurz und schlicht: Sie sei kein Fan davon, jedes Erwachsenen-Problem zu einem Unterrichtsfach zu machen.

    Die Runde wurde beendet mit einigen Worten von Frau Heine, die betonte, dass der Umgang mit dem Klimawandel besonders von der Jugend und ihrem Engagement abhängig sei, wie am Beispiel bereits gegründeter Organisationen von den Marshall Inseln gut erkennbar sei.

    Nach dem Klimatalk wurden Finn und ich von Reportern gebeten, einen Wunsch den Politikern gegenüber zu äußern. Für mich war klar: Dran vorbei reden geht nicht mehr, Bildung ist hier die Devise! Was diese Klima Talks bei einigen Schülern am EMA bewirkt haben, sollte viel mehr Schülern zuteilwerden. Dafür brauchen wir Aufklärung in unseren Schulen, denn Wissen ist die Macht, die wir im Kampf gegen den Klimawandel benötigen.

    Niusha Khalafi (Q2)

     

     

    Klima Talk EMA Gruppe

     

    Anstoß für die Entsendung zweier EMAner zur COP 23 in Bonn waren die von Dr. Anatol Itten vom BUM (1. Reihe, 3. v. li) organisierten Klima-Talks an einigen Bonner Schulen, von denen allein drei am EMA statt fanden. Hier die LKs Sowi (Fr. Vianden) und Englisch (Fr. Knittel) nach einem Besuch des britischen Delegierten Archie Young (1. Reihe, 2. v. li).

     

    Klima Talk Diskussionsrunde

     

    Als Jugenddeligierte in der Abschlussdiskussion mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (3. v. li) durften vom EMA Finn Rübo (3. v. re) und Niusha Khalafi (2. v. re) teilnehmen.

    (Fotos: E. Vianden)

  • Lasker Buchcover downsized„Ihr sollt die Wahrheit erben“ - so heißt die Biographie der mittlerweile über 90-jährigen Anita Lasker-Wallfisch, einer deutsch-britischen Cellistin jüdischer Herkunft und einer der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters des Konzentrationslagers Auschwitz. Damit die Wahrheit über die Gräueltaten des NS-Regimes nicht in Vergessenheit gerät, besuchte Frau Lasker-Wallfisch auf Einladung der Fachschaft Sozialwissenschaften in Kooperation mit der Bonner Buchhandlung Böttger am 27.01.2016 das EMA. An diesem Tag, gleichzeitig auch Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus‘, erzählte sie den Schülern der Oberstufe von ihrer Lebensgeschichte und ihren Erlebnissen in der NS-Diktatur.

    Frau Lasker-Wallfisch berichtete von der Deportation ihrer Eltern 1942, als sie gerade einmal 16 Jahre alt war, von der Zeit, in der sie mit ihrer Schwester Renate in einer Papierfabrik arbeiten musste, von ihrer Inhaftierung nach einem Fluchtversuch mit gefälschten Dokumenten sowie ihrer anschließenden Deportation in das Konzentrationslager Auschwitz.

    Dass sie das NS-Regime überhaupt überlebte, verdankt Frau Lasker-Wallfisch der Tatsache, dass sie Cello spielen konnte. Bei ihrer Ankunft in Auschwitz erwähnte sie dies mehr oder weniger beiläufig, woraufhin die Lagerinsassin, die ihr den Kopf schor und ihr die Häftlingsnummer eintätowierte, voller Begeisterung sagte: „Das ist ja wundervoll! Du wirst gerettet werden!“ Fortan spielte sie Cello im Häftlingsorchester und genoss dadurch einige Privilegien. Auch ihrer Schwester Renate blieb so der Tod erspart.

    Im November 1944 wurden beide Schwestern nach Bergen-Belsen gebracht, wo die Zustände noch schlechter waren als in Auschwitz. Doch auch diese Zeit überlebten die Schwestern und wurden am 15. April 1945 durch britische Truppen befreit. Frau Lasker-Wallfisch wanderte nach England aus und wurde dort erfolgreiche Cellistin im English Chamber Orchestra, das sie mitbegründete.

    Eigentlich nahm sie sich vor, nie wieder einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen, bis sie eines Tages erkannte, dass sie einen immensen Beitrag leisten könne, um solche Schrecken in der Zukunft zu verhindern. So traf sie die Entscheidung, Vortragsreisen zu unternehmen und Schulen zu besuchen, um über die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten und ihr Leben zu erzählen - aus meiner Sicht eine Entscheidung, die für alle Oberstufenschüler des EMA eine unglaubliche Chance war, mit einer Zeitzeugin zu sprechen und aus erster Hand über diesen Abschnitt der Geschichte zu lernen.

    Im zweiten Teil der Veranstaltung konnten Schüler der Zeitzeugin Fragen stellen. Neben weiteren Fragen zu ihrem Leben und der Art und Weise, wie sie mit dem Leid, das sie erfahren hat, umgegangen ist, wurde auch eine Brücke zur aktuellen politischen Lage geschlagen. „Niemand ist mit einem Etikett wie Übermensch oder Untermensch auf die Welt gekommen. Die Etiketten haben wir erfunden.“

    Während der gesamten Veranstaltung gelang es Frau Lasker-Wallfisch eine deutlich spürbare Spannung in der Aula zu erzeugen. Gebannt folgte das Publikum ihren Erzählungen. Abgesehen von der ruhigen, aber dennoch fesselnden Stimme der Zeitzeugin und einem gelegentlichen Husten war es in der Aula vollkommen still. Frau Lasker-Wallfisch beeindruckte nicht nur durch ihre Lebensgeschichte, sondern auch durch ihre starke Persönlichkeit, ihr Selbstbewusstsein und die Aura, die sie ausstrahlte.

    Wie relevant die Kenntnis des düsteren Teils der deutschen Geschichte auch für die Gegenwart ist, betonte Frau Lasker-Wallfisch öfters. Eine Botschaft lag ihr besonders am Herzen: Sie erklärte den Schülern, dass es eine Unmöglichkeit sei, sich das Leid der verfolgten und unterdrückten Menschen zu Zeiten der NS-Diktatur vorzustellen. „Es ist aber auch nicht wichtig. Wichtig ist das Heute. Sprecht erst miteinander, bevor ihr einander tötet.“

     

    Felina Lottner (Q2)

     

     

    Lasker EMA 2016 Begruessung

    Stellvertretender Schulleiter Ulrich Breuker begrüßt Anita Lasker-Wallfisch in der voll besetzten EMA-Aula. Neben der gesamten Oberstufe waren auch zahlreiche interessierte Eltern und ehemalige Kolleginnen und Kollegen des EMA erschienen.

     

    Lasker Kernchen Musik

     

    Musikalisch eingestimmt und begleitet wurde Frau Lasker-Wallfischs Lesung von unseren Schülern Johannes Zipfel (Cello) und  Jan Taro Löhken (Flügel), die Igor Stravinskys "Suite Italienne" darboten.

     

    Lasker Kernchen Signieren

     

     

     Lasker Kernchen Lasker Titel

     

    Anita Lasker-Wallfisch (* 1925) las aus zunächst aus ihrem Buch "Ihr sollt die Wahrheit erben. Die Cellistin von Auschwitz. Erinnerungen", bevor sie mit dem Publikum ins Gespräch kam. Die abschließende Möglichkeit zur Signierung ihres Buches durch die Autorin selbst nahmen zahlreiche Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung wahr.

     

    (Abbildung d. Buchcovers von "Ihr sollt die Wahrheit erben" mit freundlicher Genehmigung des Rohwolt-Verlags)

    (Erstes Foto: J. Stiewe, übrige Fotos: Reinhard Kernchen)

     

    Eine Kopie des Printartikels im Bonner Generalanzeiger, vom 28.01.2016 finden Sie hier. 

     

    Stellvertretend für die Fachschaft Sozialwissenschaften sei an dieser Stelle Timo Wilhelm für seine Organisation, sowie dem Verein der Freunde und Ehemaligen des Ernst-Moritz-Arndt Gymnasiums e.V.  für die freundliche Unterstützung dieser Veranstaltung herzlich gedankt!

     

     

     

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