Xanten HIL 2019 Bild1Da die Kurse im Lateinunterricht das Thema „Limes - Grenze zwischen Römern und Germanen“ erarbeiteten, lag es nahe, sich nicht nur mit den Römerstädten in Germanien sowie dem Verlauf und der Funktion des Limes zu befassen, sondern auch eine Legionsstadt zu besichtigen.

Also fuhren die beiden Lateinkurse mit dem Bus nach Xanten, um sich vor Ort ein lebendiges Bild zu machen. Auf dem Programm standen eine einstündige Themenführung zum Schwerpunkt „Römer und Germanen“ im dortigen LVR-Museum und im Anschluss eine von Mitschülern als Projektarbeit vorbereitete Rallye durch den archäologischen Park, der auch viel Platz und lauschige Stellen für ein Picknick bot.

In der Rallye mussten alle wesentlichen Stationen des Parks aufgesucht werden, um anschließend Fragen und Aufgaben lösen zu können, die mal kreativ waren, mal auf neu erworbenes Wissen zurückgriffen, mal spielerisch und interaktiv waren. Der gesamte Rundgang war sehr ausführlich und sogfältig geplant, sogar die Sonne trug ihren Part zum Gelingen des Tages bei, doch gab es einen dicken Wermutstropfen: Sowohl die Hinfahrt als auch die Rückfahrt dauerten gefühlt ewig, da wir lange im Stau standen und eine ungewöhnlich(e) ungünstige Route für die Rückfahrt nahmen.
Die in drei Gruppen aufgeteilten Museumführungen wurden alle sehr interessant und motivierend durchgeführt, so dass alle anschaulich und konkret Informationen zu Thermenanlagen, zu Kosmetik, zum Aufbau eines Lagers, zum Alltag in den castra oder auch zur Ausrüstung eines Legionärs erhielten.

So erfuhren wir, dass die Menschen damals wie heute vor schädlichen Chemikalien nicht zurückschrecken, um sich nach aktuellem Modeideal aufzuhübschen. Wir erfuhren, dass Säulen und Kapitelle der Tempel in den damals vorhandenen Farbtönen sehr bunt waren und das heutige Erscheinungsbild von Ruinen und Ausgrabungsstätten ein gänzlich falsches Bild von einheitlich hellen, weißen Steinen geben. Wir erfuhren, dass sich die Germanen sinnvollerweise anders kleideten als Römer aus dem Süden, die sich allerdings während ihrer Stationierung im Castra Vetera nur zu gerne in manchen Punkten anpassten. So trugen sie im Winter Sandalen in Übergröße, damit sie Stofflagen um die Füße binden konnten, um weniger zu frieren. Wir erfuhren im Nutzgarten der wunderschönen Herberge, welche Heil- und Gewürzpflanzen zur Selbstversorgung angebaut wurden - eine gute Überleitung in ein anderes Lektionsthema: Römisches Essen, von dem wir demnächst berichten werden.
Insgesamt lohnen sich sowohl die Museumsführung, als auch die Schülerrallye, allerdings sollte man im Wiederholungsfalle mehr als einen Langtag von 8.00h bis 16.00h einplanen, um die zahlreichen Attraktionen zu nutzen und zu genießen. So hatten wir gar keine Zeit, im Spielehaus römische Spiele auszuprobieren oder in Ruhe die hervorragend rekonstruierten Handwerker- und Wohngebäude zu besichtigen. Gerne hätten wir zudem auch die modernen Spielanlagen in einer Pause bespielt – ist doch ein Lernziel des Lateinunterrichts immer die historische Kommunikation und der Vergleich von damals und heute. Und der riesige Hüpfberg sah doch sehr verlockend aus.

Die Rallye kann auf Anfrage als pdf mit copyright geschickt werden.

Sehen Sie hier einige Abbildungen sowie ausführlichere Beschreibungen zweier Stationen:

 

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1. Carla, Julia, Greta und Markus

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2. Museumsführung A: im virtuellen germanischen Kuhstall-Wohngebäude

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3. Führung B: am Stadtmodell mit Legionslager

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4. Das farbige Modell eines Säulenkapitells

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5. Anprobe des mehrere Kilo schweren Helms

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6. Führung C: am Modell der Thermenanlage

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7. Modell der genialen römischen Hypocaustenheizung

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8. HOSEN! Staunen vor der germanischen Kleidung

 9. – 14. Römisches Wohnen – sehr attraktiv! Frau Röser und Frau Hillert zögen glatt ein

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15. Gute Idee für den nächsten heißen Sommer: Erdkühlung.

 

Von Station 16 berichten Aaron, Julian, Malou und Paulina:
Xanten HIL 2019 Bild16Wir haben am Eingang gestartet. Dieser stellte einen Bewachungsturm aus der Römerzeit dar, von denen zahlreiche rund um den Archäologischen Park in die Stadtmauer eingelassen sind. Der Turm war etwa ca. sechs Meter hoch und bestand aus Backstein. An der vorderen Seite befanden sich drei Fensteröffnungen ohne Glas. Darunter erkannte man zwei Schlitze, durch die vermutlich Pfeile geschossen werden konnten, sowie das eigentlich Eingangstor, dessen Boden mit Steinplatten in ihrer ursprünglichen Form gepflastert war.

17. Auf dem Museumsgelände in Xanten befindet sich die Rekonstruktion einer kleineren Herbergstherme. Die Herbergsthermen wurden zwischen 1979 und 1983 ausgegraben und vollständig restauriert. 1989 wurde der Öffentlichkeit eine Therme zugänglich gemacht, die so funktionierenXanten HIL 2019 Bild18 könnte, wie in der Antike. Ein einziges Holzfeuer könnte sowohl das Badewasser in einem großen Heizkessels als auch die Luft, die sich unter den Fußböden der Baderäume verteilt und entlang der Wandziegel Xanten HIL 2019 Bild17nach oben zieht, erwärmen. Die Anlage ist inklusive Wandmalereien vollständig wieder aufgebaut und heute komplett begehbar. Wenn man die Anlage betritt, gelangt man zuerst in den Auskleiderraum (Apodyterium). Von dort geht es zunächst in das Kaltbad (Frigidarium) und dann weiter durch einen Zwischenraum in den Warmbadebereich mit Heizraum. Der Badebereich war vermutlich in ein Caldarium (Heißwasserbecken) und ein Tepidarium (Lauwasserbecken) unterteilt. Seitlich in dem Raum befindet sich das Kaltbadebecken. Im Umkleideraum sieht man an der Seite rechts ein lang gezogenes Brett, das in verschiedene Fächer unterteilt ist. Unter diesem und gegenüber auf der anderen Seite sind Sitzbänke. An der Wand ohne Regale ist auch ein großes rechteckiges Fenster, das oben einen Torbogen hat. Die Wände sind hell gestrichen und mit goldenen Dekorstreifen in größeren Abständen ausgeschmückt. Links und rechts neben der Tür zum Badebereich sind zwei Nischen mit Torbögen, deren Umrandung reich verziert ist. Vermutlich haben darin einmal Statuen gestanden.
Durch den Torbogen betritt man den nächsten Raum. Das Frigidarium hat rechts ein in eine Wandnische eingelassenes Becken. Die Nische ist ca. zwei Meter hoch und mit Fischbildern bemalt. An der Decke befindet sich ein gleichmäßiges helles Muster aus sich überschneidenden hellblauen Ringen, deren Mitte jeweils goldbraun verziert ist. Hier sowie auch im Umkleidebereich liegt ein heller Steinfußboden. Die Decke ist mit einer bunten Stuckleiste abgetrennt, die Wände mit farbigen Marmor ausgekleidet. Von hier aus geht es durch einen Durchgang in einen weiteren Zwischenraum, der dem Umkleideraum sehr ähnlich sieht. Allerdings sind an der halbrunden Decke Malereien mit Figuren und auch weiteren Ornamenten. An der Seite stehen Bänke - dieser Raum war vermutlich auch ein Aufenthaltsraum.

Schließlich gelangt man in den warmen Badebereich. Unter einer wunderschönen und halbrunden Meeresdecke mit Fischen sieht man auf der linken Seite ein hohes Fenster wie in allen anderen Räumen auch und auf der anderen Seite eine halbrunde reich verzierte Nische mit einem Brunnen. An der Stirnseite des Raumes ist eine lang gezogene rote Wanne. In diesem Raum sind die Wandbemalungen besonders üppig. Wenn man durch diese Räume geht, kann man sich sehr gut vorstellen wie die Römer hier darin gebadet haben.

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(Fotos: R. Hillert)


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