Irgendwie waren alle mit dem festen Vorsatz gekommen, eine richtig gute Zeit zu haben. Und so fand das Grinsen in jedem Gesicht auf und vor der Bühne im rappelvollen LVR-Saal im Laufe des zweistündigen Programms auch seinen Platz.

Neujahrskonzert 2019 Junior Sax Ensemble 2Thomas Heck trug es schon, als sein Junior-Ensemble die Alt-, Tenor- und Bariton-Saxophone ansetzte, um den Abend mit „Jump, Jive `n Wail“ zu eröffnen, Louis Primas Jazz-Swing-Stück mit reichlich Potenzial für Extase, das über Jahrzehnte hinweg in prämierter Weise gecovert, im Original sogar Filmmusik und an diesem Abend zum geschmeidigen Opener wurde. Ein wenig Nach-Weihnacht durfte es wie immer auch noch sein: Franz Xaver Grubers weich-peppiger „Silent Night Reggae“ war diesmal bei den Junioren auf die Playlist gekommen. Hauptprojekt des ersten Gigs war dann aber unüberhörbar das Thema zu „Raumpatrouille Orion“. Das gefiel sehr, zog den erwarteten Zugaben-Applaus und lässt bei der EMA Big Band bescheiden anfragen, ob es dort mal groß auftreten darf, wenn es die Hammond-Orgel mitbrächte? 

 

 

Neujahrskonzert 2019 Junior Band mit SCU ProfilMit dem „Muppet Show“-Eröffnungs-Thema spielte sich im zweiten Teil die EMA Junior Band warm, um dann mit „The Final Countdown“, dem einzigen Hit der schöngeföhnten Softrock-Band „Europe“ eine Hürde zu nehmen, die insofern hoch war, als dessen Markenzeichen, das Synthesizer-Intro ihres Sängers Joey Tempest, eine echte Herausforderung für Blechbläser darstellt. Band-Leader Toni Schüller machte es schon in der Ansage deutlich: Mit einem Lüftchen kommt das Stück nicht aus. Die 9 Trompeten und 2 Posaunen nahmen es sich zu Herzen, entfachten den erforderlichen Wind, durften bei David Reuls Tenor-Sax-Solo-Breaks ein wenig Luft holen und sich danach einmal durchschnaufend zuzwinkern: Countdown erfolgreich – Reifeprüfung des Abends bestanden! Danach ging´s mit viel Selbstvertrauen und Spielfreude in die weiteren Nummern. Bei Herbie Hancocks „Watermelon Man“ durfte sich die Band ein wenig auslaufen, während Trommler und Percussionisten ihre Solo-Parts hatten. Bob Harris populäres Thema zu „Spiderman“ brachte Jonathan Werner eine Trompeten-Einlage und Richard Berrys R&B-Song „Louie, Louie“ mit seinem Latino-Charakter diverse Bläser-Soli für Tenor- und Bariton-Sax (David Reul und David Braubach) und Lukas Küsels Trompete. Charlie Parkers "My little Suede Shoes" war dann die Kirsche auf dem Sahnehäubchen, bevor es viel Applaus und mit Lou Begas "Mambo No. 5" dann noch eine Zugabe zum Mitklatschen gab. 

 

Neujahrskonzert 2019 Sax EnsembleMax Bille geht eigentlich schon lange nicht mehr aufs EMA, spielt aber immer noch hervorragend Bariton-Sax und musste sich von Thomas Heck offenbar nicht lange bitten lassen, das aktuelle EMA Saxophon-Ensemble für diesen Abend zu verstärken und zu führen. Das ist das Schöne am Musikmachen: Es bringt zusammen, was und wer zusammen harmoniert – egal ob mit Studenten- oder Schülerausweis. Die kurze Playlist verdeutlichte dieses musikalische Grundgesetz: Scott Joplins im Herbst 1899 rausgekommener „Maple Leaf Rag“, sicherlich der tiefste Griff in die Mottenkiste an diesem Abend, damals aber schon mit Verkaufszahlen von rasch einer Million zu den erfolgreichsten Rags seiner Zeit gehörend, kommt eigentlich vom Klavier, passt aber für ein Sax-Quintett ebenso ausgezeichnet, um einem Publikum zu zeigen, wo der Frosch die Locken hat, wie Lalo Schifrins Thema zur US-amerikanischen Action TV-Serie „Mission Impossible“. Wer sich übrigens einmal die lange Liste von Blockbustern und TV-Serien anschaut, denen der Argentinier seinen musikalischen Stempel aufsetzte, wird mehr als einmal sagen, „Guck mal an“ – Schifrin gehört nämlich zu den ganz Großen seiner Zunft und hat längst seinen Stern auf dem Walk of Fame. Den „Walk of the Saxes“ beschritten dann zum Schluss noch einmal beide Saxophon-Ensembles zusammen, mit „Hey Ride“ von Jon Christensen, einem Stück, das Thomas Heck vor einem Jahr als „Kirmes-Nummer“ vorgestellt hatte und in dem sich nun jedes Saxophon mit einer kleinen individuellen Einlage wiederfinden durfte – schönes Bild, schöner Klang, viel Beifall.

 

Neujahrskonzert 2019 Big Band mit Saengerinnen AusschnittEs mag angeberisch klingen, aber es ist ja nun einmal so, wie es auf EMA-Konzerten ist: Eigentlich dürfte man sich über einen Schlusspfiff nach dem vorletzten Akt nicht beklagen, denn der Abend war schon musikalisch reich und bunt. Aber dann war es eben noch nicht zu Ende, die Big Band trat auf, Annemarie Lehmann dirigierte wippend an, und nun wurden noch ein paar wirklich gute Weine entkorkt. Mit „Autumn Leaves“, einem schön und melancholisch dahinfließenden Klassiker des ungarischen Komponisten Joseph Kosma entwickelte sich sofort der hier unaufgeregt von Elena Bauer am Klavier getragene saubere und volle Klang des großen Ensembles. Auch die vierte Nummer, der für das Musical „Roberta“ 1933 von Jerome Kern komponierte Popsong „Smoke gets in your eyes“, ist ein bekannter Evergreen, der hier zwischenzeitlich Benjamin Gundlachs starkem Flügelhorn eine Bühne bot. Eine außergewöhnliche und außergewöhnlich schöne Note aber setzte die Band mit der Wahl von zwei Latino-Stücken von Kurt Klose, „Mi Pasión“ und „Indiferencia“, die mit ihrer weichen und klaren Interpretation durch das Vokal-Trio aus Kjana Fabritius, Helene Lückge und Carla Bauer und einer perfekt abgestimmten Band-Begleitung mit diversen feinen Soli (Elias Abele und Julius Jahn am Alt-Sax und Benjamin Gundlach an der Trompete) zu den Highlights des Abends gehörten. Auch bei den letzten drei Stücken setzte die Big Band auf Pop-Songs mit guten Solo-Stimmen: „All about that bass“, ein ‚bubblegum pop‘ und ‚Retro-R&B‘-Hit von Meghan Trainor und Kevin Kadish (ganz stark: Kjana Fabritius), (wieder einmal) Nora Jones' Hit „Don´t know why“, aus der Feder von Jesse Harris (erstmals, wie ich fand, auch würdig gesungen, und zwar von Carla Bauer) und Giorgio Moroders für Irene Cara komponierter Film-Hit „Flashdance What a Feeling“ (dem Helene Lückge ebenfalls gewachsen war). Das alles intonationsrein, ausgewogen im Klang und damit eine akustische Wonne. Top.

 

Ein ganz großes Dankeschön galt nach Zugaben und großem Schluss-Applaus den vielen großartigen Schülerinnen und Schülern, mit ihrer Spielfreude und ihrem Können, Thomas Heck, Toni Schüller und Annemarie Lehmann für ihren großen musikalisch-pädagogischen Impetus und professionellen Einsatz über viele Monate hinweg und schließlich dem Rheinischen Landesmuseum und seinem Technik-Team: Lokation und technischer Support ließen die mittlerweile auf ihren Abriss wartende EMA-Aula an diesem tollen Konzert-Abend wieder einmal vergessen.

Jochen Stiewe

 

 Neujahrskonzert 2019 Junior Sax Ensemble mit Heck

 

Neujahrskonzert 2019 Junior Band Profil mit Drumkit

 

Neujahrskonzert 2019 Junior Band mit SCU Profil hochkant

 

Neujahrskonzert 2019 Junior Band Blaeser Nah

 

Neujahrskonzert 2019 Junior Band ganz

 

Neujahrskonzert 2019 beide Sax Ensembles

 

Neujahrskonzert 2019 Big Band Frau Lehmann sagt an

 

Neujahrskonzert 2019 Big Band Brass1

 

Neujahrskonzert 2019 Big Band mit Saengerinnen

 

Neujahrskonzert 2019 Publikum

 

Neujahrskonzert 2019 Big Band Fluegelhorn drauf

 

Neujahrskonzert 2019 Big Band Totale

 

(Fotos: Rita Hillert)

 

 

 

 

Go to top