Geschichte

  • Istanbul 2018 Gruppenbild3Fünf Mädchen und fünf Jungen der EF hatten Anfang November die Gelegenheit zu einer besonderen Reise: Sie nahmen an einem Austauschprojekt des Auswärtigen Amtes zum Thema "Erster Weltkrieg" teil und reisten dafür nach Istanbul. Begleitet wurden sie von ihren Geschichtslehrern, Ruth Overländer und Stefan Knopke. Neben dem EMA waren zwei weitere deutsche und drei türkische Schulen beteiligt. Die EMA-Schüler arbeiteten mit Schülern der Deutschen Schule „Alman Lisesi“ Istanbul zusammen, erarbeiteten im Laufe der Woche Vorträge und präsentierten diese am 11. November im deutschen Generalkonsulat Istanbul. Untergebracht waren die Schülerinnen und Schüler bei den Familien ihrer Projektpartner. Für alle Beteiligten war dies eine besondere Erfahrung und sie hoffen, dass auf dieser Grundlage weitere Besuche folgen werden, wie der folgende Bericht von Lena Lublinski eindrucksvoll verdeutlicht.

    Ruth Overländer

     

    Wir wollen in Kontakt bleiben - Erfahrungen aus dem deutsch-türkischen Schulaustausch

    Istanbul 2018 GebäudeDie deutsch-türkische Projektarbeit in Istanbul zum ersten Weltkrieg war mit Abstand die beeindruckendste und interessanteste Reise, die ich je gemacht habe.
    Die Auseinandersetzung mit dem Ersten Weltkrieg war hoch interessant und lehrreich. Dieses Thema wird im gewöhnlichen Schulunterricht nur kurz und allgemein behandelt. In Istanbul habe ich durch meine eigene Recherche zum Thema „Das Leben und der Alltag eines einfachen Soldaten“ und das Feedback der Experten am Präsentationstag, einiges dazugelernt. Ebenso durch die Vorträge der anderen Gruppen.

    Unser Auftritt im Generalkonsulat vor 100 Zuhörern war für uns alle eine gute Gelegenheit, das Vortragen vor einem großen Publikum zu üben.
    Noch wichtiger aber war für mich die Verständigung zwischen uns deutschen Schülerinnen und Schülern und unseren türkischen Gastgebern.
    Mit meiner Gastschülerin habe ich mich von Anfang an sehr gut verstanden. Sie sprach so gut Deutsch, dass wir uns ohne Probleme verständigen konnten. Während meines Aufenthaltes hat sie sich sehr viel Mühe gegeben, mir die türkische Kultur zu vermitteln. Sie hat mir sogar ein paar einfache Wörter und Sätze auf Türkisch beigebracht.

    Für unsere Besichtigungen in Istanbul hat sie sich die Mühe gemacht, Informationen zu den Sehenswürdigkeiten auswendig zu lernen, um uns diese erklären zu können.
    Ein ganz besonderes Erlebnis war es für mich, abends mit ihr in der Küche zu sitzen und uns bei türkisch Kaffee oder Tee zu unterhalten – und nach alter türkischer Tradition den Kaffeesatz zu lesen.

    Die Eltern meiner Austauschpartnerin waren zunächst etwas zurückhaltend, doch je mehr wir uns kennen lernten und ich ihnen von mir erzählte (auf Englisch), desto herzlicher und offener wurden sie. Am Ende schenkte mir die Mutter sogar einen kleinen Glücksbringer aus ihrem Heimatdorf.

    Auch die anderen türkischen Schülerinnen und Schüler waren alle sehr nett und gastfreundlich. Die gemeinsame Arbeit an der Präsentation schweißte uns als Gruppe zusammen, sodass wir auch die Nachmittage alle gemeinsam verbrachten, um die Stadt zu besichtigten, Nachtische zu essen usw.
    Es ist nicht oft der Fall, dass sich eine Gruppe Jugendlicher aus zwei verschiedenen Ländern so gut verstehen, wie wir es taten und tun.Istanbul 2018 Gruppenarbeit

    Spätestens als wir uns nach fünf viel zu kurzen aber intensiven Tagen von einander verabschieden mussten, war uns allen klar, dass wir noch in Kontakt bleiben wollten.
    Ich wünsche mir nun, fühle mich sogar in gewisser Weise verpflichtet, meiner Austauschschülerin und den anderen türkischen Schülerinnen und Schülern meine Heimat zu zeigen und hoffe, dass ein Rückbesuch stattfinden kann.

    Ein solches Projekt sollte auf jeden Fall wiederholt werden. Es hat die deutsch-türkische Freundschaft zumindest im kleinen Rahmen verstärkt. Ich habe jetzt eine Vorstellung von Land und Leuten, kann es einordnen, und werde Türken anders begegnen als zuvor. Eine Freundin, die ebenfalls an dem Austausch teilgenommen hat, sagte mir nach unserer Rückkehr: „Wir sind irgendwie nicht mehr die Gleichen, wie vor der Reise.“ Eine andere Freundin, die zugehört hatte, schaute uns komisch an und lachte. Doch ich wusste genau, was gemeint war.

     

    Ich möchte mich noch einmal herzlich bei allen bedanken, die mir diese tolle Reise ermöglicht haben!

     

    Lena Lublinski (EF)

     

     

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    (Fotos: R. Overländer)

  • Lasker Buchcover downsized„Ihr sollt die Wahrheit erben“ - so heißt die Biographie der mittlerweile über 90-jährigen Anita Lasker-Wallfisch, einer deutsch-britischen Cellistin jüdischer Herkunft und einer der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters des Konzentrationslagers Auschwitz. Damit die Wahrheit über die Gräueltaten des NS-Regimes nicht in Vergessenheit gerät, besuchte Frau Lasker-Wallfisch auf Einladung der Fachschaft Sozialwissenschaften in Kooperation mit der Bonner Buchhandlung Böttger am 27.01.2016 das EMA. An diesem Tag, gleichzeitig auch Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus‘, erzählte sie den Schülern der Oberstufe von ihrer Lebensgeschichte und ihren Erlebnissen in der NS-Diktatur.

    Frau Lasker-Wallfisch berichtete von der Deportation ihrer Eltern 1942, als sie gerade einmal 16 Jahre alt war, von der Zeit, in der sie mit ihrer Schwester Renate in einer Papierfabrik arbeiten musste, von ihrer Inhaftierung nach einem Fluchtversuch mit gefälschten Dokumenten sowie ihrer anschließenden Deportation in das Konzentrationslager Auschwitz.

    Dass sie das NS-Regime überhaupt überlebte, verdankt Frau Lasker-Wallfisch der Tatsache, dass sie Cello spielen konnte. Bei ihrer Ankunft in Auschwitz erwähnte sie dies mehr oder weniger beiläufig, woraufhin die Lagerinsassin, die ihr den Kopf schor und ihr die Häftlingsnummer eintätowierte, voller Begeisterung sagte: „Das ist ja wundervoll! Du wirst gerettet werden!“ Fortan spielte sie Cello im Häftlingsorchester und genoss dadurch einige Privilegien. Auch ihrer Schwester Renate blieb so der Tod erspart.

    Im November 1944 wurden beide Schwestern nach Bergen-Belsen gebracht, wo die Zustände noch schlechter waren als in Auschwitz. Doch auch diese Zeit überlebten die Schwestern und wurden am 15. April 1945 durch britische Truppen befreit. Frau Lasker-Wallfisch wanderte nach England aus und wurde dort erfolgreiche Cellistin im English Chamber Orchestra, das sie mitbegründete.

    Eigentlich nahm sie sich vor, nie wieder einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen, bis sie eines Tages erkannte, dass sie einen immensen Beitrag leisten könne, um solche Schrecken in der Zukunft zu verhindern. So traf sie die Entscheidung, Vortragsreisen zu unternehmen und Schulen zu besuchen, um über die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten und ihr Leben zu erzählen - aus meiner Sicht eine Entscheidung, die für alle Oberstufenschüler des EMA eine unglaubliche Chance war, mit einer Zeitzeugin zu sprechen und aus erster Hand über diesen Abschnitt der Geschichte zu lernen.

    Im zweiten Teil der Veranstaltung konnten Schüler der Zeitzeugin Fragen stellen. Neben weiteren Fragen zu ihrem Leben und der Art und Weise, wie sie mit dem Leid, das sie erfahren hat, umgegangen ist, wurde auch eine Brücke zur aktuellen politischen Lage geschlagen. „Niemand ist mit einem Etikett wie Übermensch oder Untermensch auf die Welt gekommen. Die Etiketten haben wir erfunden.“

    Während der gesamten Veranstaltung gelang es Frau Lasker-Wallfisch eine deutlich spürbare Spannung in der Aula zu erzeugen. Gebannt folgte das Publikum ihren Erzählungen. Abgesehen von der ruhigen, aber dennoch fesselnden Stimme der Zeitzeugin und einem gelegentlichen Husten war es in der Aula vollkommen still. Frau Lasker-Wallfisch beeindruckte nicht nur durch ihre Lebensgeschichte, sondern auch durch ihre starke Persönlichkeit, ihr Selbstbewusstsein und die Aura, die sie ausstrahlte.

    Wie relevant die Kenntnis des düsteren Teils der deutschen Geschichte auch für die Gegenwart ist, betonte Frau Lasker-Wallfisch öfters. Eine Botschaft lag ihr besonders am Herzen: Sie erklärte den Schülern, dass es eine Unmöglichkeit sei, sich das Leid der verfolgten und unterdrückten Menschen zu Zeiten der NS-Diktatur vorzustellen. „Es ist aber auch nicht wichtig. Wichtig ist das Heute. Sprecht erst miteinander, bevor ihr einander tötet.“

     

    Felina Lottner (Q2)

     

     

    Lasker EMA 2016 Begruessung

    Stellvertretender Schulleiter Ulrich Breuker begrüßt Anita Lasker-Wallfisch in der voll besetzten EMA-Aula. Neben der gesamten Oberstufe waren auch zahlreiche interessierte Eltern und ehemalige Kolleginnen und Kollegen des EMA erschienen.

     

    Lasker Kernchen Musik

     

    Musikalisch eingestimmt und begleitet wurde Frau Lasker-Wallfischs Lesung von unseren Schülern Johannes Zipfel (Cello) und  Jan Taro Löhken (Flügel), die Igor Stravinskys "Suite Italienne" darboten.

     

    Lasker Kernchen Signieren

     

     

     Lasker Kernchen Lasker Titel

     

    Anita Lasker-Wallfisch (* 1925) las aus zunächst aus ihrem Buch "Ihr sollt die Wahrheit erben. Die Cellistin von Auschwitz. Erinnerungen", bevor sie mit dem Publikum ins Gespräch kam. Die abschließende Möglichkeit zur Signierung ihres Buches durch die Autorin selbst nahmen zahlreiche Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung wahr.

     

    (Abbildung d. Buchcovers von "Ihr sollt die Wahrheit erben" mit freundlicher Genehmigung des Rohwolt-Verlags)

    (Erstes Foto: J. Stiewe, übrige Fotos: Reinhard Kernchen)

     

    Eine Kopie des Printartikels im Bonner Generalanzeiger, vom 28.01.2016 finden Sie hier. 

     

    Stellvertretend für die Fachschaft Sozialwissenschaften sei an dieser Stelle Timo Wilhelm für seine Organisation, sowie dem Verein der Freunde und Ehemaligen des Ernst-Moritz-Arndt Gymnasiums e.V.  für die freundliche Unterstützung dieser Veranstaltung herzlich gedankt!

     

     

     

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