Schulbruecke Weimar 2019 GruppenbildVom 20.09.2019 bis zum 27.09.2019 fand auch dieses Jahr die, 2002 ins Leben gerufene SchulBrücke Weimar statt, ein Treffen von SchülerInnen aus vielen verschiedenen Ländern Europas. Veranstaltet durch die Deutsche Nationalstiftung und Europäische Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar (EJBW), der Deutschen Nationalstiftung und der Robert-Bosch-Stiftung bekommen jeweils acht SchülerInnen aus den Städten Leipzig/Taucha (DE), Warschau (POL), Humenné (SVK), Bozen (ITA), Paris (FRA) -die dieses Jahr jedoch nicht teilnahmen- und Bonn (DE) die Möglichkeit dazu, sich in Weimar mit dem Gegen- und Miteinander von nationalen und europäischen Bestrebungen auseinanderzusetzen und die kulturellen und historischen Grundlagen Europas zu erforschen. Das diesjährige Thema der Projektwoche 2019 war „Das Experimentierfeld Weimar: Zwischen Träumen und Albträumen, alles war möglich“, in Zuge dessen wir uns mit der Zeit der Weimarer Republik und des Bauhauses bis hin zum Nationalsozialismus beschäftigten.

Vor dem Beginn der Woche, hatten wir uns in besagtes Thema mithilfe eines Readers und unser Begleitungslehrerin Frau Krämer, wie auch gelegentlich Frau Barz, eingearbeitet und Präsentationen zu den Themen „Unsere Schule das EMA“ „Die Stadt Bonn“ und „Bonn in den 20er Jahren“ angefertigt. Auch sollten wir uns typisch „bönnsche“ Gerichte heraussuchen, welche wir in Weimar zum „Internationalen Büffet“ beisteuern konnten.

Am Freitag, den 20.09 stiegen wir dann endlich in den Zug nach Weimar. Nach der sechsstündigen Zugfahrt konnten wir uns einen ersten Eindruck von Weimar verschaffen und bahnten uns unseren Weg zur EJBW. Dort angekommen, erfuhren wir, mit wem wir in einem Zimmer waren – diese wurden vorher aufgeteilt mit dem Ziel, die SchülerInnen aus verschiedenen Städten und Ländern zu mischen, um so von Anfang an alle miteinander in Kontakt zu bringen. Gegen 15.30 Uhr waren dann auch alle angekommen (auch die Warschauer, mit einer mehr als 10stündigen Anreise), sodass Dr. Frithjof Reinhardt um 16 Uhr mit der Begrüßung und dem Kennenlernen begann. Abendessen gab es im Gegensatz zu den anderen Tagen erst um 18.30 Uhr (sonst 18.00 Uhr) und danach einen freien Abend, um uns die Stadt genauer ansehen zu können.

Am nächsten Tag wurden wir nach dem Frühstück aufgeteilt und erhielten gruppenweise ein Wahrzeichen Weimars, welches wir besuchen und Aufgaben zu diesem bearbeiten sollten. Anschließend folgte eine Stadtführung, in der die einzelnen Gruppen Teile ihrer Ergebnisse präsentieren und noch mehr über Weimar in Erfahrung bringen konnten. Als nächstes stand die Vorbereitung des „internationalen Büffets“ an, wo wir unter anderem Haribo und Weckmänner vorstellten. Der letzte Programmpunkt des Tages war die Vorstellung der verschiedenen Schulen und Städte. Auch diesen Abend hatten wir wieder Freizeit, welche wir nutzten, um die anderen SchülerInnen besser kennenzulernen.

Die Schattenseite Weimars, das ehemalige KZ Buchenwald, heute eine Gedenkstätte, war das Ziel des dritten Tages. Auf dem Berg angekommen, wurden wir durch die Gedenkstätte geführt und hatten anschließend Zeit, uns die Ausstellung dort anzusehen. Anschließend folgte eine Wanderung durch die „Zeitschneise Buchenwald“ und eine Nachbesprechung. Nach dem unverzichtbaren Besuch, der alle sehr mitgenommen hatte, gab es schon das Abendessen im EJBW und anschließend Freizeit.

Der vierte Tag war geprägt durch viel Zuhören, angefangen mit einer dreistündigen Vorlesung von Dr. Frithjof Reinhardt zu unserem Thema „Experimentierfeld Weimar“. Während danach eine Gruppe ihre Vorbereitungen der Aufgaben des zweiten Tages noch abschließen konnte, besuchte die andere Gruppe das 1923 errichtete „Haus am Horn“ (UNESCO Weltkulturerbe), das erste Bauhaus Gebäude Weimars. Anschließend wurde gewechselt. Am Nachmittag wurden die Ergebnisse des zweiten Tages, sowie die Präsentationen aus der Vorbereitungszeit vor der SchulBrücke zusammengetragen und am Abend gab es noch einen 20-minütigen Stummfilm.

Schulbruecke Weimar 2019 Gruppenbild WieseAm Dienstag erarbeiteten wir uns die wichtigsten Geschehnisse und Aspekte der 20er Jahre in Weimar anhand von Texten großer Philosophen und Historiker. Auch hier wurden wir wieder eingeteilt, jede Gruppe erhielt Texte zu einem vorgegebenen Thema, zum Beispiel Technik, die dann erarbeitet werden mussten. Am Nachmittag wurden diese ausgestellt und jeder konnte sich die Ergebnisse der anderen Gruppen ansehen. Abends bekamen wir die besondere und seltene Möglichkeit einem Zeitzeugen des Nationalsozialismus zu begegnen. Naftali Fürst, geboren in Bratislava und Sohn einer jüdischen Familie, wurde mit gerade einmal 12 Jahren nach Auschwitz-Birkenau deportiert und auf den „Todesmarsch“ nach Buchenwald geschickt. Er, seine Eltern und sein Bruder waren unter den wenigen Überlebenden. Erst rund 50 Jahre später konnte Naftali darüber sprechen und reist jetzt als 87-Jähriger in viele Länder zu Zeitzeugengesprächen, um dem Vergessen entgegenzuwirken. Das Gespräch war unglaublich bewegend und wird uns allen immer in Erinnerung bleiben.

Am Mittwoch startete dann das Arbeiten in kleineren Workshops. Wir konnten uns zwischen Fotografie, Theater, kreativem Schreiben und Karikaturen entscheiden. Die Projekte waren an das Thema der Woche angelehnt, so fertigten beispielsweise die Teilnehmer des Workshops Karikaturen, Zeichnungen zu den politischen Umständen der 20er Jahre in Deutschland an und die Gruppe Fotografie fotografierte im Stil der 20er. An diesen Projekten würden wir die nächsten zwei Tage arbeiten. An diesem Tag hatten wir schon nachmittags frei, was viele SchülerInnen nutzten, um selbst noch einige Museen Weimars, wie die wunderschöne Anna Amalia Bibliothek und das Goethe- und Schillerhaus zu besuchen.
Auch der nächste Tag war für die Arbeit in den Workshops vorgesehen. Um 18 Uhr gab es ein großes vom EJBW bereitgestelltes Abschiedsbüffet, gefolgt von der Präsentation der Ergebnisse der Workshops. Darunter ein Theaterstück, ein paar vorgelesene Kurzgeschichten und das Betrachten entstandener Fotografien und Karikaturen. Der Abend endete mit einer ausgelassenen Party im Discokeller der EJBW.

Und schon war es Freitag und wir mussten uns voneinander verabschieden. Die erlebnisreiche Woche war unglaublich schnell vorbeigegangen.
Schlussendlich können wir alle sagen, dass wir viel gelernt, uns die Fahrt sehr viel Spaß und Freude bereitet hat. Besonders die Möglichkeit mit vielen Jugendlichen aus den unterschiedlichsten Städten und Ländern in Kontakt zu treten war sehr bereichernd. Trotz der zeitintensiven Vorbereitung– für das, was man dort erleben darf, lohnt es sich allemal. Und würde man uns fragen, ob wir noch einmal an der SchulBrücke Weimar teilnehmen wollten, wir würden ohne zu zögern zusagen!!

Mathilda Fink, Simon Okutan

 

Schulbruecke Weimar 2019 Stadtfuehrung

 

(Fotos: M. Fink)

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