Ernst Moritz Arndt (geb. 26.12.1769 in Groß Schoritz/Rügen - gest. 29.1.1860 in Bonn; Publizist, Historiker, Dichter) ist seit 1938 der Namenspatron unserer Schule. Diese vielschichtige Persönlichkeit dem pädagogischen Konzept des EMA zuzuordnen,  stellt sich als Herausforderung dar. Es erweist sich als notwendig, aber auch als möglich,  die Verbindung unserer Schule mit Arndt, dessen Denken und Schreiben als deutsch-nationaler Publizist, der an Emotionen und Unterbewusstsein appelliert, mehr oder weniger heftig umstritten ist, heute ehrlich und offen zu erklären.

Arndt hat sich als Patriot in einem restaurativen politischen Umfeld unermüdlich in Wort und Schrift und unter Inkaufnahme langjährigen Berufsverbots für die Schaffung eines deutschen Nationalstaats mit demokratischen und liberalen Rechten eingesetzt.

Insofern kann er auch heute noch ein Beispiel für kritisch-verantwortungsbewusste Teilnahme des Staatsbürgers an der Res publica sein.

Andererseits bietet Arndt ein zwar vor dem Hintergrund seiner Wirkungszeit erklärbares, aber deshalb nicht weniger erschreckendes Beispiel für Intoleranz gegenüber anderen Völkern. Die vor allem im Geschichtsunterricht bewusst herbeigeführte Diskussion über die Einstellungen Arndts fordert dazu heraus, umso entschiedener die Notwendigkeit einer Erziehung zu tolerantem und interkulturellem Denken und Handeln als ein wesentliches Element unseres pädagogischen Grundkonzepts einsichtig zu machen.

Biographische Daten zu Ernst Moritz Arndt

1769-1805: Jugend in Schwedisch-Vorpommern, Studium und erste Lehrtätigkeit an der Universität Greifswald Ernst Moritz Arndt wurde am 26. Dezember 1769 in Groß Schoritz auf Rügen, im damaligen Schwedisch-Pommern, geboren – neun Monate, nachdem sein Vater aus der Leibeigenschaft des Grafen von Putbus entlassen worden war. Nach Jahren des häuslichen Unterrichts besuchte er als 17jähriger das Gymnasium in Stralsund, das er nach kaum zwei Jahren wieder verließ. Zurück im Elternhaus, bereitete er sich auf das Studium der Philosophie und Theologie vor, welches er am 4. Mai 1791 in Greifswald aufnahm.

Hier wurde er Mitglied des studentischen Constantistenordens der „fratres coniuncti". Nach knapp zwei Jahren verließ er Greifswald und setzte sein Studium ab dem 29. April 1793 in Jena fort. Im gleichen Jahr veröffentlichte er sein erstes Gedicht im „Göttinger Musenalmanach". Gut ein Jahr später kehrte er zur Familie nach Löbnitz zurück und lernte dort seine zukünftige Ehefrau Charlotte Quistorp kennen. 1796 legte er in Greifswald das theologische Examen ab und folgte anschließend einer Einladung Ludwig Gotthard Kosegartens, des Dichters und Pfarrers in Altenkirchen auf Rügen, als Hauslehrer dessen Kinder zu unterrichten. Dort beschloß er – gegen den Wunsch seiner Familie – auf die Fortsetzung der geistlichen Laufbahn zu verzichten. Stattdessen gab er im Frühjahr 1798 seine Stellung als Hauslehrer auf und unternahm eine fast anderthalbjährige Reise durch Deutschland, Ungarn, Italien und Frankreich. Die Beschreibung dieser Reise veröffentlichte er ab 1801 in kleineren Bruchstücken, bis 1804 schließlich die Gesamtausgabe der „Reisen durch einen Theil Teutschlands, Ungarns, Italiens und Frankreichs in den Jahren 1798 und 1799" im Druck erschien. Nach Greifswald zurückgekehrt, legte Arndt am 5. März 1800 hier das Magisterexamen ab und verteidigte im folgenden Monat seine Dissertation, eine Auseinandersetzung mit den zivilisationskritischen Gedanken Rousseaus. In den folgenden Monaten lehrte er als Privatdozent an der Universität und wurde am 13. Dezember 1801 zum ordentlichen Adjunkten an der Philosophischen Fakultät ernannt. Gegenstand seiner Vorlesungen waren insbesondere die Alte Geschichte, vergleichende Staatengeschichte der Neuzeit und Revolutionsgeschichte. Bereits im Februar 1801 hatte er Charlotte Quistorp geheiratet, die nach der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes am 25. Juni 1801 starb. Während der folgenden Monate arbeitete Arndt an seinem „Versuch einer Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen", der 1803 erschien. Im gleichen Jahr veröffentlichte er den ersten Band seiner Gedichte und die Schrift „Germanien und Europa", die den Versuch einer universalhistorischen Deutung, einer sinnhaften Verbindung der Gegenwart mit der Vergangenheit und der Zukunft darstellte, der zeitlebens prägend für das historische Denken Arndts werden sollte. In diesem Band findet sich auch schon eine Auseinandersetzung mit dem als überragend bedrohlich empfundenen Napoleon. Im November dieses Jahres unternahm er eine Reise nach Schweden, die ihn bis Norrland führte, wo er die Kultur und Sitten der Lappen studierte. Sein Bericht über diese „Reise nach Schweden im Jahr 1804" erschien zwei Jahre später im Druck. Nach seiner Rückkehr und der Wiederaufnahme der Lehrveranstaltungen im November 1804 beschäftigte sich Arndt intensiv mit Fragen zur historischen Funktion von Sprachen und mit grundsätzlichen Überlegungen zur Pädagogik. Greifbare Ergebnisse dieser Studien sind die 1805 erschienenen „Fragmente über Menschenbildung" und die „Ideen über die höchste historische Ansicht der Sprache". Beide Themen haben ihn noch in späteren Jahren, zum Teil bis ins hohe Alter, beschäftigt.

1806-1809: Professur in Greifswald und schwedisches Exil Am 11. April 1806 wurden Arndts akademische Bemühungen mit der Ernennung zum außerordentlichen Professor für Geschichte in Greifswald belohnt. Gleichzeitig wurde er von einigen pommerschen Adligen wegen der offenen Sprache, mit der er im „Versuch einer Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen" die durch die Leibeigenschaft hervorgerufenen Missstände gegeißelt hatte, bei König Gustaf IV. Adolf wegen Majestätsbeleidigung verklagt. Die Untersuchung wurde niedergeschlagen und am 4. Juli 1806 ordnete der König die Aufhebung der Leibeigenschaft in Pommern an. Arndts nicht erst jetzt erkennbare Begabung als aufmerksamer Beobachter des politischen Zeitgeschehens manifestierte sich auch im 1806 erschienenen ersten Teil des „Geist der Zeit", einer Sammlung zeitkritischer historisch-politischer Schriften, der bis 1818 noch drei weitere Teile folgten und seinen Ruf als politischer Publizist begründeten. Mit der Niederlegung der Kaiserkrone durch Kaiser Franz II. am 6. August 1806 hatte das Heilige Römische Reich Deutscher Nation aufgehört zu existieren. Arndt, der sich dem Vorhaben König Gustafs IV. Adolf, Schwedisch-Pommern nunmehr auch staatsrechtlich mit dem Königreich Schweden zu vereinigen, verbunden fühlte, reiste im November 1806 nach Stockholm, um sich in der schwedischen Reichskanzlei an der Übersetzung der schwedischen Gesetzestexte für die deutschen Landesteile Schwedens zu beteiligen. Obgleich Arndt eine Rückkehr in das seit August 1807 von napoleonischen Truppen besetzte Schwedisch-Pommern nicht ausschloss, stellte er seine schriftstellerische Arbeit nun immer mehr in den Dienst der antinapoleonischen schwedischen Propaganda. Neben dem zweiten Teil des „Geist der Zeit", den er 1807 in Schweden anonym drucken ließ, widmete er sich der Leitung der Zeitschrift „Der Nordische Kontrolleur", die die politische Anhängerschaft der antinapoleonischen schwedischen Außenpolitik in den deutschen Landesteilen unterstützen sollte. Im Juni 1808 wurde Arndt durch die französische Besatzungsmacht seine Greifswalder Professur entzogen.

1809-1815: Publizistischer Vorkämpfer der antinapoleonischen Bewegung Als ein Jahr darauf König Gustaf IV. Adolf durch eine Offiziersverschwörung gezwungen wurde, dem Thron zu entsagen und Schweden in der Folge seine antinapoleonische Haltung aufgab, verließ Arndt das Land, welches ihm keine politische Heimat mehr sein konnte. Unter falschem Namen kehrte er in den preußischen Teil Pommerns zurück und lebte anschließend einige Zeit in Berlin. Im Mai 1810, nach dem Friedensschluss zwischen Schweden und Frankreich, wurde er wieder als Professor in Greifswald eingesetzt. Doch mit dem politischen Klima an der Universität mochte er sich ebenso wenig abfinden, wie mit der Lage, in der sich die deutschen Staaten gegenüber Napoleon befanden. Er veröffentlichte in kurzer Folge die Schriften „Ueber Volkshaß und über den Gebrauch einer fremden Sprache". Kurz bevor der brüchige Frieden endete und die napoleonischen Truppen im Januar 1812 erneut in Schwedisch-Pommern einrückten, verließ Arndt Greifswald. Sein Plan, Deutschland zu verlassen, stand da bereits fest. Im März 1812 trat er eine Reise an, die ihn schließlich an die Seite des Freiherrn vom Stein und der im russischen Exil wirkenden preußischen Widerstandsbewegung gegen Napoleon führte. Hier entstand sein „Kurzer Katechismus für teutsche Soldaten" und weitere patriotische Flugschriften, wie „An die Preussen", die den militärischen und zivilen Widerstand gegen die napoleonische Fremdherrschaft entfachen und unterstützen sollten. Während dieser Zeit machte er die Bekanntschaft preußischer Militärs und Reformbeamter wie Gneisenau, Gruner, Scharnhorst, Dohna, Lützow, Chasot, York und des Dichters August von Kotzebue.

1816-1840: Professur in Bonn und Suspendierung aus politischen Gründen 1816 lernte er Nanna Schleiermacher kennen, die er am 18. September 1817 schließlich heiratete. Kurz darauf siedelte er, der die letzten Jahre überwiegend im Rheinland verbracht hatte, nach Bonn über und wurde ein Jahr später zum ordentlichen Professor der Neueren Geschichte an der neu gegründeten Universität Bonn ernannt. Der zugleich erscheinende vierte Teil des „Geist der Zeit" löste im November 1818 Untersuchungen der politischen Polizei gegen ihn im Rahmen der sogenannten Demagogenverfolgung aus. Daraufhin ließ ihn der preußische Staatskanzler Fürst Hardenberg, dessen Förderung er bis dahin genossen hatte, fallen. Im November 1820 wurde Arndt schließlich vom Lehramt suspendiert. Obwohl ohne Prozess und Urteil, blieb Arndt, trotz mehrfacher Versuche sich politisch zu rehabilitieren, zwanzig Jahre von der Lehrtätigkeit ausgeschlossen. Seine literarische Arbeit dieser Jahre griff zum Teil Themen der frühen Jahre wieder auf. Schon 1818 waren seine „Mährchen und Jugenderinnerungen" erschienen, gewissermaßen ein Nachhall seiner früheren pädagogischen Bemühungen. 1819 erschien dann der dritte Teil seiner Fragmente über Menschenbildung („Briefe an Psychidion oder über weibliche Erziehung"). Ebenfalls auf frühere Vorarbeiten gingen die „Schwedische(n) Geschichten unter Gustav dem Dritten, vorzüglich aber unter Gustav dem Vierten Adolf" zurück, die 1839 im Druck erschienen. Dazwischen meldete er sich immer wieder zu tagespolitischen Themen zu Wort – so 1821 mit „Die Frage über die Niederlande und die Rheinlande" oder 1834 mit „Belgien und was daran hangt".

1840-1860: Rehabilitierung, Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung und Lebensabend in Bonn Am 2. Juli 1840, nach dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms IV. in Preußen, wurde Arndt rehabilitiert und wieder in sein Amt eingesetzt. Noch im gleichen Jahr wurde er Rektor der Universität Bonn und veröffentlichte seine autobiographische Schrift „Erinnerungen aus dem äußeren Leben". Parallel hierzu begann er eine Auswahl seines publizistischen Gesamtwerkes vorzulegen, die unter dem Titel „Ernst Moritz Arndts Schriften für und an seine lieben Deutschen" von 1845 bis 1855 in vier Teilen erschien. Noch einmal versuchte er 1848 in das politische Tagesgeschehen aktiv einzugreifen. Als Abgeordneter zog er in die Frankfurter Nationalversammlung ein und nahm 1849 an der „Kaiserdeputation" teil, die Friedrich Wilhelm IV. im Auftrag der Nationalversammlung die Kaiserkrone antrug. Nach dessen Ablehnung erklärte Arndt seinen Austritt aus der Nationalversammlung. Die politischen Fragen, welche die Revolution für die Zukunft eines einigen Deutschlands aufgeworfen hatten, beschäftigten ihn dennoch stetig über die kommenden Jahre hinweg und erhielten zuletzt 1854 Gestalt in „De populo Germanico", gewissermaßen dem letzten Teil des „Geist der Zeit". Im gleichen Jahr beendete er seine Vorlesungstätigkeit an der Universität Bonn. In den letzten Lebensjahren widmete er sich der Ordnung seines Werkes. 1855 erschienen die „Geistlichen Lieder", von denen einige bis heute ihren Platz behauptet haben. In den „Wanderungen und Wandlungen mit dem Reichsfreiherrn Heinrich Karl Friedrich vom Stein" ließ er den wichtigsten Abschnitt seines politischen Lebens noch einmal aufleben und setzte zugleich seinem alten Idol ein Denkmal. Die Arbeit an der letzten vollständigen Ausgabe seiner „Gedichte" beendete er fünf Wochen, bevor er am 29. Januar 1860 in Bonn starb.

Quelle: Pressestelle Universität Greifswald

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