Zwei Gruppen von Lateinschülern des EMA haben 2016 erstmalig am Bundessprachenwettbewerb in der Kategorie Team teilgenommen und reichten einen Beitrag ein.

Wie kam es dazu? Nachdem wir die aktuellen Informationen zum Sprachenwettbewerb erhalten hatten, sprachen die Lateinkurse darüber und überlegten einige Ideen und Möglichkeiten zur Teilnahme, zu der sich tatsächlich und tatkräftig einige Schüler bereit erklärten.

Die Gruppe der 8a, bestehend aus Leonie Kemmling, Helene Lückge, Franziska Dreyer, Felix Faßbender und Lucas Zander, nannte sich und ihren Beitrag „Quinque Amici“. Da ihnen aus dem Lateinunterricht Playmobil-Fotogeschichten zur Illustrierung von Lektionstexten bekannt waren und alles als Kinder schon mit Playmobil gespielt hatten, beschlossen sie, in mühsamer Prozedur einen Playmobilfigurenfilm zu produzieren.

Die quinque amici trafen sich ca. sechs bis sieben Mal, meist am Wochenende, für jeweils ungefähr vier Stunden. Bei den Treffen überlegten sie sich zunächst den Plot, der ein wenig an ein Potpourri aus Texten unseres Lehrbuchs Cursus erinnert, in denen erzählt wurde, wie Flavia auf hoher See fuhr und Piraten das Schiff kaperten. Im Unterricht erfuhren wir auch einiges über Gladiatorenkämpfe und über das Kolosseum, das die meisten der fünf Schüler selbst auf dem Romaustausch im Oktober 2015 besichtigt hatten. Die Schülergeschichte scheint dies aufzugreifen: Fünf Freunde gehen zu einem Gladiatorenkampf ins Kolosseum, doch finden vier diese Kämpfe - wie schon Plinius und Seneca - unmenschlich und brutal, so dass sie den einzigen, dem der Kampf gefällt, alleine zurücklassen. Nach dem Kampf geht dieser zum siegreichen Gladiator, um ihn zu beglückwünschen. Dieser lädt ihn auf ein Getränk ein, sperrt ihn aber in einen Raum des Kolosseums und informiert römische Händler, die ihn zur Gladiatorausbildung nach Afrika verschleppen wollen. Die 4 Freunde bekommen dies mit, versprechen, ihn zu retten, und verstecken sich auf dem Schiff. Auf hoher See bekämpfen sie die „bösen Männer“ und werfen sie über Bord. Der gerettete Freund erzählt daraufhin allen anderen Ahnungslosen seine Geschichte. - Ende offen, bzw. Fortsetzung folgt.

Die Arbeit der Gruppe war sehr vielschichtig und anspruchsvoll! Denn um einen Film aus Standbildern zu erhalten, mussten die Playmobilfiguren millimeterweise verändert und fotografiert werden. Eine enorme und Geduld fordernde Arbeit. Da in NRW das Übersetzen von Deutsch in Latein kaum mehr im Unterricht geübt wird, war es zudem ein sehr hoher Anspruch, die gesamte Geschichte auf Latein zu schreiben. Die Schüler nutzten das Buch, doch fehlten ihnen dort viele Vokabeln, die sie im Pons und einem Online-Lexikon nachschlugen. Da ihnen jedoch auch viele Grammatikkapitel noch fehlen - wir hatten noch kein Gerundi(v)um, keine Deponentien, gerade erst Konjunktiv in Nebensätzen begonnen, ... - gelangen nicht immer alle Sätze perfekt verständlich und fehlerfrei, sondern mussten noch korrigiert werden.

Sie schnitten anschließend die Hunderten Fotos in einem Filmprogramm, ehe sie mit den eingesprochenen lateinischen Audios unterlegt werden konnten. Der Film erhielt danach noch passende Hintergrundmusik, die thematisch wundervoll als Untermalung zur Dramatik der jeweiligen Szenen passt.

Abschließend kann man sagen, dass die fünf Teilnehmer vollkommen eigenverantwortlich und als echte gleichberechtigte Gruppe den Teambeitrag mit viel Liebe, Kreativität, technischem Knowhow und langer, intensiver Textübersetzung erstellt haben.

Die zweite Gruppe bestand aus drei Mädchen des Lateinkurses 7bc, die sich passenderweise schlicht „Puellae“ nannten und einen „Dux EMAe“ erstellten. Als die eine Hälfte des Kurses eine Woche im Schullandheim weilte und wir die Zeit sinnvoll und lateinisch verbringen wollten, ohne die Abwesenden im Stoff abzuhängen, sammelten wir Ideen zu kleinen Projekten. Eine davon war es, für die Römer, die den kommenden Romaustausch 2016 mit diesem Jahrgang machen, einen Schulführer zu erstellen. Die Schüler teilten sich in Kleingruppen auf und übernahmen jeweils Themen, die sie an der Schule für wichtig und interessant hielten. Sie sammelten Informationen zu ihrem Thema und schrieben lateinische Texte dazu. Diese besprachen wir gemeinsam, änderten und ergänzten sie, ehe die Schüler sie an verschiedenen Orten der Schule für die einzelnen Filmsequenzen vorlasen. Nachdem der gesamte Kurs diesen nicht sehr intensiv bearbeiteten Film gesehen hatte, wollten die drei teilnehmenden Schülerinnen, Kjana Fabritius, Sophie Kim und Mateja Pastebar aus der 7c, daraus einen Wettbewerbsbeitrag erstellen und neue Filmsequenzen erarbeiten. Sie trafen sich zur Besprechung und Auswahl der Texte, ehe sie am Tag der Zeugniskonferenzen die Filmaufnahmen in der Schule drehten. Sie nutzten dazu den unterrichtsfreien Tag, damit es für die Tonaufnahmen nicht zu laut war. Die neuen Aufnahmen kombinierten sie mit einigen Sequenzen des Kurses, so dass letztlich auch andere Lateinschüler an dem Projekt beteiligt waren, ohne beim Wettbewerb gemeldet zu sein. Anschließend übersetzten sie den Text noch auf Englisch und bauten ihn als Untertitel ein, damit nicht latinophone Zuschauer und auch unsere Römer den Inhalt besser verstehen können.

Für die Schüler war es spannend und motivierend, einen Film mit modernen und aktuellen Inhalten zu erstellen, sie waren hoch motiviert, modernes Vokabular auf Latein auszudrücken. Doch stellte dies auch einen hohen Anspruch an sie dar, weil sie nach 1,5 Jahren Unterricht und meist lateinisch-deutschen Übersetzungen nicht geübt sind im Schreiben von lateinischen Texten. Die Musikauswahl zur Untermalung des Schulführers stammt vollständig aus dem EMA-eigenen Fundus mit Stücken der EMA BigBand oder des Symphonieorchesters.


Wir wünschen beiden Teams viel Erfolg!

 

Rita Hillert

 

BW Fremdsprachen 2016 Puellae

Das Team "Puellae" aus dem Lateinkurs 7bc erstelle den "Dux EMAe" als Wettbewerbsbeitrag

 

BW Fremdsprachen 2016 QuinqueAmici1

BW Fremdsprachen 2016 QuinqueAmici2

BW Fremdsprachen 2016 QuinqueAmici Titel

 

Drei Ausschnitte aus dem Kurzfilm der "Quinque Amici" (Lateinkurs 8a) als Wettbewerbsbeitrag

 

(Fotos: R. Hillert)

 


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