Sechs Stipendiaten der Dr. Hans Riegel-Stiftung stritten am Freitagabend (25.09.) mit jeweils zehnminütigen Vorträgen über wissenschaftliche Themen um die Gunst des Publikums in einer fast bis auf den letzten Platz besetzten EMA-Aula.

 

Durch den Abend moderierte Ex-Science Slammer und Medienexperte Tim Gailus; Thomas Gottschalk nahm als Beiratsmitglied der Dr. Hans Riegel-Stiftung und ausgewiesener Experte für Unterhaltung von Millionen auf dem Sofa Platz, um den Wettstreitern ein wohlwollender wie kritischer Juror zu sein.

 

Als Zuschauer durfte man sich nun wie ein Schüler in einer Unterrichtsstunde fühlen, die nicht auf dem Stundenplan steht, deren Lehrerinnen und Lehrer frisch und ohne Hausaufgaben auftauchen und nur eines wollen: ankommen, und zwar möglichst begeisternd. Frei von taktischen Zwängen hieß es also: Bühne frei für die angekündigte "Party für den Kopf".

 

Die für die Stimmung verantwortlichen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die entweder erst seit kurzem ein Hochschulstudium aufgenommen haben oder kurz davor stehen, waren sämtlich begeistert von ihrem Stoff und mutig genug, für diesen im wahrsten Sinne des Wortes eine Show abzuliefern. Damit diese professionellen Ansprüchen genügen würde, waren sie alle von der Berliner Event- und Trainingsagentur policult entsprechend vorbereitet worden.

 

Und so wurde die Mathematik des erfolgversprechenden Pokerspiels vom Münsteraner Physikstudenten Daniel Kuna (22) ebenso wortgewaltig inszeniert wie grundlegende Faktoren der Spieltheorie von dem in London Mathematik und Ökonomie studierenden Salzburger Stefan Kitic (19) und die Chemie zwischen Mensch und Tabak, referiert vom jungen Bochumer Christoph Bahc (17) - multimedial zumeist aufwändig, zuweilen aber auch (und durchaus wohltuend) etwas sparsamer begleitet auf der großen Leinwand im rechten Drittel der weiten Bühne.

 

Nach jedem Auftritt dann das Feedback des alten Zeremonienmeisters, wobei Thomas Gottschalk Anerkennung ebenso spendete wie sanfte Kritik, wenn das Stundenziel vom Entertainment verwässert worden war - denn bei allem gebotenen Wortwitz und aller Rafinesse des angewandten Komunikationsdesigns: am Ende sollte klar geworden sein, wieso beispielsweise das Phänomen der destruktiven Interferenz theoretisch geeignet ist, Lärm mit Lärm zu bekämpfen und weshalb die Praxis dann doch (noch) etwas anders aussieht. Der angehenden Medizinstudentin Lucia Beissel (19) aus Bad Honnef gelang es bei ihrem erfrischend geradlinigen und anschaulichen Slam über ihre Facharbeit im Fach Physik zum Thema Lärmkompensation als erste, das Applausometer deutlich nach oben ausschlagen zu lassen.

 

Noch etwas begeisterter reagierten die meisten Zuschauer auf den Slam der Chemnitzer Psychologiestudentin Judith Martens (20), die ihre Forschungsergebnisse zu Machtposen und Machtgefühlen am Beispiel des amtierenden Präsidenten der Russischen Föderation ansprechend personalisiert veranschaulichen konnte.

 

Schlussendlich bestätigte dann der Münsteraner Wirtschaftsinformatikstudent Adrian Lison (19), dass am Anfang allen Lernens eine Leitfrage stehen sollte. Seine Deklamation über den Nutzen asymetrischer Kryptografieverfahren bei erfolgreichen Liebesgeständnissen im Partygewühl machte offenbar den meisten Zuhörern klar, warum es sich lohnt, auf Partys stets einen Informatiker mitzunehmen.

 

Das Publikum goutierte auch diesen Auftritt mit einem "Zehner-Applaus", so dass weder Moderator, noch Juror, noch das Applausometer einen Unterschied zwischen der Vertreterin der Psychologie und dem der Informatik ausmachen mochten und Judith Martens und Adrian Lison sich daher beide als Sieger im Science Slam der Dr. Hans Riegel-Stiftung 2015 feiern und von Stiftungspräsident Dr. Reinhard Schneider auszeichnen lassen durften.

 

Egal, wieviel näher man sich am Ende den jeweiligen fachwissenschaftlichen Themen der Slammer wähnen mochte, es war sicher sowohl für Laien als auch für Insider ein Abend, der zumindest eines gezeigt haben dürfte: Wieviel Spaß Lernen und Lehren machen und vermitteln kann.

 

Dafür die Kulisse einer Schule gewählt zu haben, war übrigens eine sehr gelungene Entscheidung. Ab Montag slammen wir dann weiter - vor und hinter den Pulten.

Mehr zum Event findet sich übrigens beim Bonner Generalanzeiger.

 

 

Jochen Stiewe

 

 

Science Slam Alle und Moderator

 

Die sechs Slammer (von links nach rechts), Daniel Kuna, Lucia Beissel, Stefan Kitic, Judith Martens, Christoph Bahc, Adrian Lison und Moderator Tim Gailus.

 

 Science Slam Gottschalk Martens

 

 Moderator und Juror Thomas Gottschalk und Judith Martens nach ihrem Slam zur Psychologie der Machtausstrahlung

 

Science Slam Martens Leinwand

 

 

Alle Vorträge wurden medial anschaulich und originell begleitet - hier eine Momentaufnahme aus Judith Martens Forschungspräsentation mit Probandenfotos.

 

 

Science Slam Alle mit Gottschalk

 

Alle Stipendiaten der Dr. Hans Riegel-Stiftung mit Beiratsmitglied und Juror Thomas Gottschalk vor Beginn des Science Slams, auf der Bühne der EMA-Aula.

 

Science Slam Lison

 

Adrian Lison hatte den policult-Coaching-Workshop zwar nicht absolvieren können, begeisterte aber dennoch mit seinem Slam über Grundlagen der Kryptografie in der Informatik.

 

 (Fotos: J. Stiewe)

 

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