image006In den Sommerferien 2014 vom 29.07.14 bis zum 08.08.14 nahm ich an einer der JuniorAkademien in NRW, Standort Jülich teil. Es wurden die Kurse Forensik, Kryptographie und Nanotechnologie angeboten, welche jeweils von zwei fachlich spezialisierten Kursleitern geleitet wurden, unter denen nicht nur Lehrer, sondern auch Studenten waren. Die JuniorAkademien richten sich an Jugendliche in Klasse 8 und 9, die “trotz überdurchschnittlicher Leistungen in der Schule nicht ausreichend gefordert werden”. Folglich entscheidet eine Auswahlkommission anhand strenger Auswahlkriterien auf Grundlage der eingereichten Bewerbungsunterlagen über die Platzvergabe, sodass ungefähr 10% der schulisch und von der Begabtenförderung Nominierten aufgenommen werden. Dabei muss das formale Kriterium von einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis herangezogen werden. Nicht jeder Schüler kann sich bewerben,sondern man wird von einer Schule oder einer Institution - beispielsweise von einem Wettbewerb - empfohlen. Am EMA schlägt in der Regel Frau Schaefer, die Koordinatorin der Begabtenförderung, die Kandidaten vor. Ich selbst habe den Kurs Nanotechnologie gewählt. Die Nanotechnologie beschreibt ein modernes Forschungsfeld, das auf modifikatorische Verfahren auf der atomaren, molekularen und der supramolekularen Ebene ausgerichtet ist.

10 Tage lang verweilte ich mit einem anderen Jugendlichen in einem Zweierzimmer, welches den Gegebenheiten eines Vier Sterne Hotels inklusive Aufzug ähnelte. Jeder hatte mehrere Schlüssel mit einem Schlüsselanhänger für das Zimmer und das Gebäude, in dem wir unterhalten wurden, bekommen, aber bei Vergessen eines Schlüssels war u. a. das Abräumen der Tische angesagt (gerade das passierte mir). Die Unterkunft war unvergleichbar mit einem Schullandheim. Unsere Umgebung war ländlich isoliert, sodass wir uns extrem gut auf unseren gewählten Kurs konzentrieren konnten und der “Geist sich frei zu entfalten” vermochte.

Der Tag begann offiziell um 8 Uhr mit dem Frühstück und einer kurzen Plenarbesprechung, wobei ab 6:30 Uhr bereits optionales Frühsport stattfand,an dem ich aufgrund meiner Angewohnheit als Langschläfer dankend nicht teilnahm und daher auch mehrmals fast das Frühstück verpasste. Aber am ersten Tag bzw. dem Tag der Anreise fand eine feierliche Eröffnung statt, zu der die Familien der Partizipierenden eingeladen wurden und sowohl die Prinzipien als auch die Kursleiter vorgestellt wurden. Es folgten zwei Kursblöcke von 9 Uhr bis 12:30 Uhr mit anschließendem Mittagessen bis 13:40 Uhr und der Chorprobe. Dabei unterscheidet sich der “Unterricht” (besser: Vorlesung) in den Kursen sehr stark von dem gewöhnlichen schulischen Unterricht. Er zielt hauptsächlich auf das Erarbeiten eines Themas meist in Gruppenarbeit und auf anschließende Präsentation und Diskussion der Ergebnisse ab, wobei kein stetiger Leistungsdruck durch Noten oder eine andere Beurteilung durch die Anwendung standardisierter Messungen mit unterschiedlichen Leistungsniveaus in einem Kurs präsent war, wodurch der Lernstil dem einer Universität glich. Darauf folgte ein weiterer Kursblock, Abendessen und die sogenannten Kursübergreifenden Angebote bzw. “KüA” (oder wahlweise Sport), die wir als Teilnehmer selbst erstellten oder anforderten, sodass das Spektrum an Kursübergreifenden Angeboten von Origami über Poker bis zu Quantenelektrodynamik reichte und das - von Herrn Michael Funke, dem Landesbeauftragten für die JuniorAkademien NRW, verkündete - Motto der Juniorakademie wahrlich verwirklichte: “Die Akademie ist das, was wir daraus machen.” Ich persönlich präferierte das KüA Poker, weil ich vorher nicht pokern konnte. Der obig beschriebene Tagesablauf galt für alle Tage, die Exkursion zum Forschungszentrum in Jülich und den Tag der Rotation ausgenommen. Im Tagesplan waren keine Pausen vorhanden, aber niemand beklagte sich deshalb, weil der Tagesablauf sehr locker war und niemand den Aufenthalt bei den Kursen oder bei einem Kursübergreifendem Angebot überprüfte. Am letzten Tag fand eine Abschlussveranstaltung statt, bei der die Kurse ihre erarbeiteten Ergebnisse präsentierten und bei der u.a. die Bildungsministerin von NRW, die jedem Teilnehmer seine Urkunde überreichte, und die Eltern anwesend waren.

Während meines Aufenthalts in der Akademie lernte ich viele vom fachlichen Interesse Gleichgesinnte kennen und machte viele außergewöhnliche - fast exzentrische - Freunde, mit denen ich noch immer Kontakt pflege und mit denen bereits diverse Nachtreffen organisiert worden sind und noch für die Zukunft geplant werden. Weiterhin gibt es einen Club der Ehemaligen, in dem man mit den ehemaligen Teilnehmern sozial interagieren kann. Leider sind derartige Nachtreffen sehr schwer zu organisieren, da die Schule meist im Weg steht. Meine vorangehend illustrierten Impressionen resümierend, empfehle ich jedem, dem diese einmalige Möglichkeit angeboten wird, die Annahme einer solchen außerschulischen Chance.

Namu Kroupa

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