Praktikum im Genlabor

Daniel Weber Stufe 13

bild1Nachdem ich in der 10.Klasse mein Schülerpraktikum in einem Labor bei Bayer absolviert hatte, merkte ich, dass mir die Arbeit in einem Chemielabor doch zu trocken wer­den würde. Darauf­hin wollte ich mich um ein weiteres Prak­tikum, diesmal im Bereich Biologie, au­ßer­halb der Schulzeit bemühen.

Zu Anfang der Oberstufe hatte un­ser Stufenleiter Herr Weingarten die Infor­ma­tion herausgegeben, dass ein Prakti­kum am LiMeS-Institut der Universität Bonn zur Verfügung stände und sich Interessierte zu Beginn des nächsten Jahres melden soll­ten. An dies erinnerte ich mich nun am Anfang der Stufe 12.

Bevor ich mich jedoch um das Praktikum beworben habe, wollte ich erstens heraus­finden: Was macht das LiMeS genau? Und zweitens: Wie kombi­niere ich ein Prakti­kum mit der Schule?

LiMeS bedeutet LifeandMedicalScience, also Lebenswissenschaften und Medizin. Nach ausführlicher Durchsuchung des Internets wusste ich, dass sich diese Einrich­tung mit den Grundlagen für das molekulare Verständnis der Organismen beschäf­tigt. Das besondere am Limes-Institut ist die Interdisziplinität, d.h. es wird fächer­übergreifend geforscht. Der hierdurch ent­stehende Vorteil ist eine bessere Zusam­menarbeit, welche sich durch in­novativere Problemlösungen bezahlt macht.

Genau wussten Herr Weingarten und ich dennoch nicht, in welchem der vielen Be­reiche ich arbeiten würde. bild2

Die Frage, ob ein solches Praktikum mit der Schule nicht zu stressig wer­den würde, klärte ich für mich relativ schnell, da mich das Thema sehr in­teressierte. Ich be­schloss bis mittags die Schule zu besu­chen und danach bis abends im Institut in Poppelsdorf zu arbeiten. Als Zeitraum für das Praktikum wählte ich eine klausur­freie Phase vor den Osterferien.

Herr Weingarten stellte den Kontakt mit dem Institut her und ich ging zu einem Ge­spräch mit der Laborleitung um alles zu besiegeln.

Zwei Wochen vor Beginn der Ferien begab ich mich also voller Erwartungen zum In­stitut, traf meinen Laborleiter und bekam erklärt, was ich zu tun und zu lassen habe.

Ich war sehr darüber erleichtert, dass ich mir einfach alles, was mich interessierte, anschauen und immer wieder Fragen stellen durfte.

Meine Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der Aktivierung von Immunzellen und de­ren Manipulation, bzw. den genauen molekularen Abläufen. Während des Praktikums habe ich mein Wissen über molekulare Genetik erweitert, welches ich später auch im Unterricht den anderen Schülern vermitteln konnte.

An dieser Stelle werde ich nun die Aktivierung der Immunzellen einmal kurz erklären:

Die wohl bekanntesten Immunzellen sind die T-Lymphozyten ( zu diesen zählen auch die ‚Killerzellen‘). Die T-Zellen vernichten kranke Zellen, melden dem Körper die Er­krankung, regulieren sich selbst und speichern die Struktur der erkrankten Zellen. Auf diese Weise reagiert der Körper bei der nächsten Erkrankung schneller mit einer Im­munreaktion.

Damit diese T-Lymphozyten allerdings aktiv werden, muss eine dendritische Zelle dazu ein Antigen prozessieren. Antigenprozessierung bedeutet, dass ein zu be­kämpfendes Antigen in die dendritische Zelle am Manoserezeptor aufgenommen, im Innern verarbeitet und dann außen am MHC-Komplex gebunden wird. Wird ein Anti­gen am MHC einer dendritischen Zelle präsentiert, werden die T-Zellen zur Be­kämpfung dieses Antigens angeregt.

Interessant für unsere Arbeit am Institut ist das Geschehen im Inneren der dendriti­schen Zelle gewesen. Um die für die Prozessierung von Antigenen zuständigen Gene in dendritischen Zellen (DC) zu finden, nutzt man als Beweis eine Kreuzprä­sentation. Zusammenfassend bedeutet dies, dass man etwas verändert und dann schaut ob die Prozessierung noch stattfindet. Findet keine Prozessierung statt, wurde ein zur Antigenprozessierung nötiges Gen verändert. So können die Forscher nach dem Ausschlussverfahren die Gene der DC ‚entschlüsseln‘.

Um zu erkennen ob eine Aktivierung stattfand, nutzt man den Stoff Interleukin2, wel­cher unter bestimmten Bedingungen bei der Aktivierung von T-Lymphozyten anfällt und Grün ist. Je stärker das Grün, desto mehr Zellen wurden normal aktiviert. Ist das Grün schwach, war ein für die Prozessierung wichtiges Gen betroffen und wurde ab­geschaltet.

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Eine weitere im Labor wichtige Tätigkeit war die Gelelektrophorese, bei der z.B. DNA nach ihrer Größe (bzw. Masse) ge­trennt und veranschaulicht werden kann. Dieses Verfahren wird zum Beispiel auch für die Herstellung genetischer Fingerab­drücke genutzt.

Die Zeit des Praktikums gestaltete sich als sehr anstrengend, da ich von 8 Uhr bis 18 Uhr mit wenigen Unterbrechungen arbei­ten musste und außerhalb der Schule le­diglich noch ein bisschen lernen konnte, jedoch keine Zeit hatte Freunde zu treffen.

Alles in allem, war ich einerseits froh als die zwei Wochen vorüber waren und die Osterferien begannen, andererseits ging eine sehr interessante und vielleicht auch einmalige Erfahrung zu Ende.

Für alle diejenigen, die kein Praktikum im Genlabor machen, sei gesagt, dass dort keine Monster erschaffen werden, sondern lediglich winzig kleine, kaum sichtbare Zellen verändert werden um unserem Organismus auf den Grund zu gehen.

 

Persönlich hat mir dieses Praktikum bei meiner Berufsorientierung viel geholfen. Auch wenn ich die Materie sehr faszinierend finde und mir ein Studium der Biomedi­zin sicherlich gefiele, ist auch mein Interesse an anderen Fächern immer noch sehr groß. Zum Beispiel ist mein Interesse an Humanmedizin sogar weiter gestiegen, so­dass ich eventuell später lieber Menschen helfen möchte und versuchen will den menschlichen Körper zu verstehen, anstatt dafür die Grundlagen zu schaffen.

Jedoch finde ich nicht nur Biologie, Chemie und Medizin, sondern auch Physik sehr spannend und denke auch über den beruflichen Weg als Bauingenieur nach.

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